Warum ich kein Fan strikter Routinen bin

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Letzte Woche schrieb ich an dieser Stelle davon, dass ich nicht jeden Tag Asanas (Körperstellungen) übe, aber dennoch jeden Tag Yoga praktiziere, da Yoga für mich eine umfassende Form der Persönlichkeitsentwicklung ist, die nicht nur aus Körperübungen besteht. Ausgehend von diesem Thema möchte ich heute darlegen, weshalb ich kein Fan strikter Routinen bin und was ich stattdessen vorschlage.

Im Yogalehrerumfeld (aber bei weitem nicht nur dort) begegnen mir immer wieder Menschen mit sehr strikten Routinen. Jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen, um Yoga zu praktizieren (oder Joggen zu gehen oder …), bedingt für die meisten dieser Routiniers, jeden Abend spätestens um 22 Uhr ins Bett zu gehen. Weitere Merkmale zeigen sich oft im Bereich Ernährung: Keinen Tropfen Alkohol, niemals Fleisch, keine Milchprodukte, kein Zucker, kein Gluten, …

Ich bin mir bewusst, dass ich gerade ein wenig provoziere mit diesen Aussagen und dass sie zu einem guten Teil ja auch auf mich selber zutreffen. Aber eben – mir geht es hier um das gesunde Mass. Routinen und sich selbst auferlegte Regeln sind prinzipiell eine gute Sache. Meiner Meinung nach jedoch nur so lange, wie wir uns innerhalb dieser Regeln auch noch ein gesundes Mass an Flexibilität erhalten und bei Bedarf auch einmal ohne schlechtes Gewissen von ihnen abweichen können. Sobald Routinen einen zwanghaften Charakter annehmen, lohnt es sich meist genauer hinzuschauen und sich vielleicht wieder einmal die Frage zu stellen, weshalb man diese Routinen überhaupt verfolgt und ob sie nach wie vor zielführend sind.

Fixe Strukturen und Routinen sind nützlich, um Halt zu geben – gerade in herausfordernden persönlichen Situationen. Wenn innerlich vieles im Umbruch ist, kann es helfen, einen Halt im Aussen zu haben. Allerdings darf der Halt im Aussen nicht zum Selbstzweck oder zur Ablenkung von der inneren Arbeit werden.

Was mache ich also, wenn es mir nicht so gut geht und ich mich innerlich wankend erlebe? Oder besser – was mache ich, damit es gar nicht erst so weit kommt?

Anstatt eines durchgetakteten Tages- oder Wochenplans mit täglich gleichen fixen Routinen schlage ich vor, eine Liste zu erstellen mit Aktivitäten, von denen ich weiss, dass sie mir guttun. Diese Liste kann man z.B. an den Kühlschrank hängen oder im Smartphone speichern. Auf jeden Fall sollte sie an einem Ort sein, wo man sie mehrmals täglich einsehen kann. Anschliessend kann man für sich persönlich festlegen, wie viele dieser Aktivitäten man/frau pro Tag für sich selber und damit auch für das eigene innere Gleichgewicht «ausüben» möchte. Vermutlich werden manche Aktivitäten mehr Zeit in Anspruch nehmen als andere. Manche sind eher für den Morgen, andere für den Abend, wieder andere für zwischendurch gedacht. Manche der Aktivitäten möchte man vielleicht (eine Zeit lang) täglich praktizieren, andere einmal pro Woche oder gar nur einmal pro Monat. 

Meine persönliche «self-care» Liste sieht im Moment folgendermassen aus und ich achte darauf, dass ich mir pro Tag mindestens für eine der aufgeführten Aktivitäten Zeit nehmen kann:

  • Atemübungen (20-30 min)
  • Meditation (20-30 min)
  • Barfuss laufen (40 min)
  • Eisbad für Hände und Füsse (20 min)
  • Lesen (20-30 min)
  • Schreiben (20-30 min)
  • Joggen (60 min)
  • Yoga (Asanapraxis) (30-60 min)
  • Massage (60-90 min)
  • Schwimmen (90 min)
  • Kochen/Backen (30-90 min)
  • Crossfit (2 Stunden)
  • Freunde treffen / mit Freunden telefonieren (1-2 Stunden)
  • Velotour (halber Tag)
  • Familienbesuch (halber – ganzer Tag)
  • Wandern/Bergsteigen (halber – ganzer Tag)

Und wie sehen eure self-care Listen aus?
Vielleicht mag jemand seine/ihre Liste teilen. Ich fände es sehr spannend und inspirierend zu sehen, was da so zusammenkommt…
In the meantime – take good care of yourselves & enjoy life – mit oder ohne Routinen :-)

Gerda Imhof2 Comments